Takashi Amano – Der Vater des modernen Aquascapings
„To know mother nature, is to love her smallest creations! We create the natural eco-system in our aquarium, which leads to a better understanding of the global environment.” (Um Mutter Natur zu verstehen, muss man auch ihre kleinsten Schöpfungen lieben. Wir erschaffen in unserem Aquarium ein natürliches Ökosystem, wodurch wir unsere globale Umwelt besser verstehen werden.)
So hat es einmal Takashi Amano formuliert, der Begründer der Naturaquaristik bzw. des Aquascapings. Der japanische Fotograf, Naturforscher und Aquarianer revolutionierte seit den 1980er-Jahren die Aquaristik, indem er natürliche Landschaften in Aquarien nachbildete.
Amano ließ sich von den Wäldern, Flüssen und Bergen Japans inspirieren. Sein Ziel war es nicht, Pflanzen und Fische lediglich dekorativ zu arrangieren, sondern ein harmonisches Ökosystem zu schaffen, das die Schönheit der Natur widerspiegelt.
Durch seine Bücher, Vorträge und die Gründung des Unternehmens ADA (Aqua Design Amano) verbreitete er seine Ideen weltweit. Seine Gestaltungsprinzipien prägen bis heute das moderne Aquascaping.
Die wichtigsten Aquascaping-Stilrichtungen
Nature Aquarium
Der von Takashi Amano entwickelte Stil orientiert sich an natürlichen Landschaften. Pflanzen, Steine und Wurzeln werden so angeordnet, dass sie an Wälder, Flussufer oder Berglandschaften erinnern.
Merkmale:
- Natürliche Wirkung
- Harmonische Komposition
- Fokus auf Perspektive und Tiefenwirkung
- Üppiger Pflanzenwuchs
Iwagumi
Der Iwagumi-Stil stammt aus der japanischen Gartengestaltung und konzentriert sich auf Steine als zentrales Gestaltungselement.
Merkmale:
- Wenige Steinarten
- Klare, minimalistische Gestaltung
- Bodendeckerpflanzen dominieren
- Starke Betonung von Ruhe und Harmonie
Ryuboku
Im Ryuboku-Stil stehen Wurzeln und Treibholz im Mittelpunkt. Sie erinnern häufig an alte Bäume oder verwurzelte Waldlandschaften.
Merkmale:
- Dominanz von Wurzeln und Holzstrukturen
- Natürliche Waldoptik
- Kombination mit Moosen und Farnen
- Eindruck von Alter und Natürlichkeit
Mizube
Mizube bedeutet „Uferlandschaft“. Dabei ragen Wurzeln, Steine oder Pflanzen teilweise über die Wasseroberfläche hinaus.
Merkmale:
- Verbindung von Wasser- und Landbereich
- Besonders naturnahe Wirkung
- Häufig mit emersen Pflanzen kombiniert
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Ein Ryuboku-Aquascape gestalten
1. Das richtige Aquarium
Wer sich mit hochwertigen Aquascaping-Aquarien beschäftigt, stößt schnell auf die Becken der Firma ADA (Aqua Design Amano). Die Modellbezeichnungen wirken auf den ersten Blick etwas kryptisch, folgen jedoch einem einfachen und logischen System.
Das Grundprinzip: Bei ADA-Aquarien geben die Zahlen in der Modellbezeichnung die Außenmaße des Beckens in Zentimetern an.
Die Reihenfolge lautet immer: Länge × Tiefe × Höhe
Beispiel: ADA Cube Garden 60-P
- 60 cm Länge
- 30 cm Tiefe
- 36 cm Höhe
Das Becken misst also 60 × 30 × 36 cm.
Einige der beliebtesten ADA-Becken sind:
|
Modell |
Maße (L x T x H) |
|
30-C |
30 x 30 x 30 cm |
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45-P |
45 x 27 x 30 cm |
|
60-P |
60 x 30 x 36 cm |
|
60-H |
60 x 30 x 45 cm |
|
90-P |
90 x 45 x 45 cm |
|
120-P |
120 x 50 x 50 cm |
Die Zahlen beschreiben dabei stets die Außenabmessungen des Aquariums. Neben den Zahlen verwendet ADA verschiedene Buchstaben, die auf besondere Proportionen oder Eigenschaften des Beckens hinweisen.
P = Standard Proportion (klassische Standardausführung eines Aquascaping-Beckens)
Beispiel: 60-P = 60 × 30 × 36 cm
Diese Proportionen gelten als besonders ausgewogen und eignen sich für nahezu alle Aquascaping-Stile.
H = High Type (höhere Aquarien)
Beispiel: 60-H = 60 × 30 × 45 cm
Durch die größere Höhe entstehen beeindruckende Tiefenwirkungen, allerdings benötigen Pflanzen in Bodennähe eine stärkere Beleuchtung.
F = Flat Type (besonders flache Becken)
Beispiel: 60-F = 60 × 30 × 18 cm
Diese Aquarien eignen sich hervorragend für emerse Pflanzen, Wabi-Kusa-Landschaften oder offene Gestaltungskonzepte.
C = Cube Type (würfelförmige Aquarien)
Beispiel: 30-C = 30 × 30 × 30 cm
Cube-Becken bieten von allen Seiten eine ähnliche Betrachtungswirkung und eignen sich besonders für kleinere Aquascapes.
W = Wide Type (Becken mit größerer Tiefe)
Beispiel: 60-W = 60 × 45 × 36 cm
Die zusätzliche Tiefe eröffnet deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten und erleichtert die Erzeugung räumlicher Perspektiven.
2. Planung und Materialauswahl
Für ein Ryuboku-Aquascape benötigt man:
- Aquascaping-Soil
- Mehrere verzweigte Wurzeln
- Steine (z.B. Lava, Minilandschaft oder Drachensteine)
- Pflanzen (wenn möglich In Vitro)
- Pinzette und Schere
- Filteranlage
- CO₂-Anlage
- Leistungsstarke Beleuchtung
Geeignete Pflanzen:
- Javafarn (Microsorum pteropus)
- Bucephalandra-Arten
- Anubias-Arten
- Javamoos (Taxiphyllum barbieri)
- Christmas-Moos
- Bodendecker wie z.B. Micranthemum tweediei „Monte Carlo“
3. Bodengrund aufbauen
Das Soil wird von vorne nach hinten ansteigend eingebracht.
Empfehlung:
* Vordergrund: 2–3 cm
* Hintergrund: 8–12 cm
Der Höhenunterschied erzeugt räumliche Tiefe und lässt das Aquarium größer wirken.
4. Die Hauptwurzel platzieren
Wählen Sie die größte und charakterstärkste Wurzel als Blickfang.
Dabei sollte sie nicht mittig stehen. Nach dem Goldenen Schnitt wird sie etwa bei einem Drittel oder zwei Dritteln der Beckenlänge positioniert.
Die Wurzel sollte leicht nach vorne oder zur Beckenmitte zeigen und eine natürliche Wuchsrichtung besitzen.
5. Kleinere Wurzeln ergänzen
Kleinere Wurzeln werden um die Hauptwurzel gruppiert.
Wichtige Regeln:
- Alle Wurzeln sollten in dieselbe Richtung zeigen.
- Die Struktur soll wie ein zusammenhängendes Wurzelwerk wirken.
- Symmetrische Anordnungen vermeiden.
Ziel ist der Eindruck eines natürlichen Waldes oder eines umgestürzten Baumes.
6. Steine integrieren
Kleine Steine stabilisieren die Komposition und verdecken Übergänge zwischen Wurzeln und Bodengrund.
Die Steine dienen nur als Ergänzung und dürfen die Wurzeln nicht optisch dominieren.
7. Aufsitzerpflanzen befestigen
Anubias, Bucephalandra und Javafarn werden mit Sekundenkleber-Gel oder Nylonschnur auf den Wurzeln befestigt.
Wichtig: Das Rhizom darf nicht eingegraben werden, da die Pflanze sonst faulen kann.
8. Moose aufbringen
Dadurch entsteht mit der Zeit der Eindruck von alten, bemoosten Baumstämmen.
Besonders geeignet sind:
- Christmas-Moos
- Weeping-Moos
- Javamoos
9. Bodendecker pflanzen
Im Vordergrund werden kleine Portionen des Bodendeckers mit einer Pinzette eingesetzt.
Zwischen den Pflanzen sollten zunächst einige Zentimeter Abstand bleiben. Nach wenigen Wochen schließen sich die Lücken.
10. Aquarium befüllen
Das Aquarium wird langsam befüllt, damit die Gestaltung nicht aufgewirbelt wird. Ein Teller oder eine Kunststofffolie auf dem Bodengrund verhindert das Aufwühlen des Soils.
11. Einfahrphase und Pflege
Während der ersten Wochen:
- Täglich Kontrolle der Wasserwerte
- Wöchentliche Wasserwechsel von 50 %
- CO₂-Zufuhr kontinuierlich betreiben
- Beleuchtungsdauer zunächst 6 Stunden täglich
Nach etwa vier bis acht Wochen beginnt das Aquarium seine endgültige Form anzunehmen.
Es gibt auch Apps, die einen hierbei unterstützen, z.B. die von Tropica.